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Zahnarztpraxis Riediger
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News

Barmer-Zahnreport 2021: Kreidezähne

Mindestens 450.000 Kinder in Deutschland haben sogenannte Kreidezähne, die behandelt werden müssen. Das entspricht rund acht Prozent aller Sechs- bis Zwölfjährigen, die unter gelblich oder bräunlich verfärbten, porösen und beim Putzen schmerzenden Zähnen leiden. Das geht aus dem aktuellen Zahnreport der Barmer hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Den Ergebnissen zufolge gibt es einen erkennbaren Zusammenhang zwischen Medikamenten und der Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation (MIH), umgangssprachlich Kreidezähne genannt. „Kinder haben häufiger Kreidezähne, wenn sie in den ersten vier Lebensjahren bestimmte Antibiotika erhalten haben. Vor diesem Hintergrund muss erneut auf deren verantwortungsvollen und indikationsgerechten Einsatz hingewiesen werden. Antibiotika sind ohne jeden Zweifel segensreich. Doch die Prämisse lautet auch hier, so viel wie nötig und so wenig wie möglich“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Barmer, Prof.  Dr. Christoph Straub. Bisher sei über die Entstehung der Kreidezähne nur wenig bekannt. Das mache sie besonders tückisch. Die Ernährung habe auf deren Entstehung wahrscheinlich keinen Einfluss. Regelmäßiges Zähneputzen könne Kreidezähne nicht verhindern, da die Zähne bereits geschädigt durchbrechen. Somit sei Prävention nahezu unmöglich. Für die Eltern betroffener Kinder sei das eine wichtige Botschaft. Sie haben nichts falsch gemacht!
Zusammenhang von Antibiotika und Kreidezähnen

Über mögliche Ursachen der Kreidezähne werde viel diskutiert, und es bestünden verschiedene Hypothesen dazu, so Straub weiter. Hier werde auch das mögliche Zusammenwirken von Arzneimitteln und Kreidezähnen diskutiert. Der Zahnreport habe vor diesem Hintergrund unterschiedliche Gruppen von Medikamentenverordnungen bei Kindern mit und ohne Kreidezähnen untersucht. Dabei seien auch unterschiedliche Antibiotika geprüft worden, die etwa bei Atem- oder Harnwegsinfekten zum Einsatz kämen. Hier zeige sich, dass Kinder mit Kreidezähnen in den ersten vier Lebensjahren häufig angewendete Antibiotika bis zu etwa zehn Prozent mehr verschrieben bekämen als Gleichaltrige ohne Kreidezähne. „Die Verordnung von Antibiotika steht in einem erkennbaren Zusammenhang mit dem Auftreten von Kreidezähnen. Allerdings ist noch unklar, wie dieses Zusammenwirken genau funktioniert. Hier sind weitere Untersuchungen erforderlich“, sagte Straub. Bei der Antibiotikavergabe sei man bereits auf einem guten Weg. So habe sich die verordnete Antibiotikagabe bei Kindern bis fünf Jahren zwischen den Jahren 2005 und 2019 mehr als halbiert. Im vergangenen Jahr sei die Menge noch einmal deutlich gesunken, wohl auch deswegen, weil die Abstands- und Hygieneregeln während der Corona-Pandemie zu weniger sonstigen Infektionen geführt hätten.
Mädchen haben häufiger Kreidezähne als Jungen

Neben der Ursachenforschung hat der Barmer-Zahnreport eine Bestandsaufnahme zum Phänomen der Kreidezähne gemacht. Betroffen sind demnach häufiger Mädchen als Jungen. Zwischen den Jahren 2012 bis 2019 hatten 9,1 Prozent der Mädchen und 7,6 Prozent der Jungen eine so schwere Form der Kreidezähne, dass sie in zahnärztlicher Behandlung waren. Darüber hinaus bekommen Kinder vergleichsweise selten Kreidezähne, wenn die Mutter zum Zeitpunkt der Geburt noch sehr jung oder schon älter als 40 Jahre alt war. Barmer-versicherte Mütter haben dagegen gut doppelt so häufig Kinder mit Kreidezähnen, wenn sie zum Zeitpunkt der Geburt zwischen 30 und 40 Jahre alt waren. „Obwohl Kreidezähne neben Karies die häufigste Zahnerkrankung bei Kindern sind, steht die Forschung dazu noch am Anfang.
Wir haben in unseren Analysen verschiedene Zusammenhänge gefunden. Die zugrundeliegenden Mechanismen und Kausalitäten können mit Abrechnungsdaten allein allerdings nicht aufgeklärt werden. Dazu bedarf es weiterer Forschung. In Kenntnis der Ursachen könnten zukünftig dann auch endlich präventive Maßnahmen möglich werden“, sagte Prof.  Dr. Michael Walter, Autor des Barmer-Zahnreports und Direktor der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik an der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus der Technischen Universität Dresden.
Massive regionale Unterschiede beim Auftreten von Kreidezähnen

Den Ergebnissen des Reports zufolge gibt es beim Auftreten von Kreidezähnen nicht nur soziodemographische, sondern auch große regionale Unterschiede. Bundesweit schwanken die Betroffenenraten bei Kindern auf Stadt- und Kreisebene demnach zwischen drei und 15 Prozent. Auch auf Bundeslandebene sind die Unterschiede noch beträchtlich. Sie reichen von 5,5 Prozent in Hamburg bis hin zu 10,2 Prozent in Nordrhein-Westfalen. „Die deutlichen regionalen Unterschiede beim Auftreten von Kreidezähnen können wir noch nicht plausibel erklären. Hier sollte man nicht überinterpretieren“, sagte Walter.

22.06.2021 DGA | Quelle: Barmer

Wie Fluoride Kinderzähne schützen

Zahnkaries ist eine der häufigsten Gesundheitsstörungen von Kindern auf der ganzen Welt. Bei diesem langsam fortschreitenden Verfall der harten Zahnsubstanzen bilden bestimmte Mundbakterien aus Kohlenhydraten organische Säuren, die den harten Zahnschmelz auflösen und Löcher in die Zähne fressen können. Dabei fördern in erster Linie Zucker, Süßigkeiten und zuckerhaltige Getränke, z. B. in Nuckel-Fläschchen, den Zahnverfall, berichtet die Stiftung Kindergesundheit in ihrer aktuellen Stellungnahme.

Die wissenschaftlichen Gesellschaften von Zahnärzten und Kinder- und Jugendärzten weisen immer wieder auf die drei Säulen der Zahngesundheit hin:

• Auf zahngesunde Ernährung (vor allem mit Verzicht auf Süßes zwischendurch),

• auf regelmäßiges Zähneputzen schon bei älteren Säuglingen und Kleinkindern, und

• auf den Einsatz von Fluoriden.

„An der schützenden Wirkung dieser natürlichen Salze aus der Erdkruste gibt es aus wissenschaftlicher Sicht keine Zweifel“, betont Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. „Fluoride härten den Zahnschmelz und machen die Zähne widerstandsfähiger. Sie hemmen gleichzeitig die Ansiedlung und den Stoffwechsel von Bakterien im Zahnbelag und schützen so den Zahnschmelz vor Zerstörung. Deshalb empfehlen wir Kinder- und Jugendärzte in großer Einmütigkeit mit Zahnärzten und Ernährungsexperten die Anwendung von Fluoriden schon für Babys, Kleinkinder und Vorschulkinder zur Vorbeugung gegen Karies“.

Zu viel des Guten ist nicht gesund

Wie so oft, gilt aber auch hier: Zu viel des Guten ist nicht gesund. Nimmt ein Kind zu viele Fluoride auf (z.B. weil es immer wieder große Mengen von fluoridhaltiger Zahncreme beim Zähneputzen schluckt), können auf den Zähnen weißliche bis gelblich-braune Verfärbungen entstehen. Manchmal sind nur schmale, weiße Linien zu sehen, in anderen Fällen dagegen kalkige, bräunliche Flecken. Die Verfärbungen werden als Zahnfluorose, Schmelzfluorose oder Dentalfluorose bezeichnet.

Um diese meist harmlose, aber unter Umständen kosmetisch störende Verfärbungen zu vermeiden, und gleichzeitig einen optimalen Schutz vor Karies zu erzielen, haben jetzt wissenschaftliche Gesellschaften von Kinder- und Jugendärzten, Zahnärzten und Ernährungswissenschaftlern mit dem bundesweiten Netzwerk „Gesund ins Leben“ gemeinsame Handlungsempfehlungen zur Kariesprävention im Säuglings- und frühen Kindesalter erarbeitet.

Die empfohlenen Fluoridmengen sollen wirksam und zugleich sicher sein. Aus diesem Grund enthalten die neuen Handlungsempfehlungen zum ersten Mal nicht nur abstrakte Dosierungsangaben für die Zahncreme in Milligramm-Mengen, sondern für alle Eltern verständliche und bildhafte Mengenangaben, abgestimmt nach Altersstufen:

Von der Geburt bis zum Durchbruch der Milchzähne Babys sollten bis zum Durchbruch des ersten Milchzahns täglich ein Kombinationspräparat aus Fluorid und Vitamin D in Tablettenform erhalten. Das Vitamin D schützt das Kind vor der gefährlichen Knochenerweichung Rachitis. Professor Berthold Koletzko: „Mit der Einnahme dieser Tablette kann die empfohlene und sichere Dosis von Fluorid am zuverlässigsten eingehalten werden“.

Vom Durchbruch der Milchzähne bis 12 Monate Zusätzlich zur Fluoridtablette sollten die Eltern von den ersten Zähnchen an das Kind allmählich und spielerisch an das Zähneputzen heranführen, damit das Kind es gern geschehen lässt und sich an ein regelmäßiges Zähneputzen gewöhnt.
Wichtig: Fluoridhaltige Tabletten sollten nicht mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta kombiniert werden!

Die neuen Handlungsempfehlungen bieten dazu zwei Vorgehensweisen an:

• Bekommt das Kind weiterhin die kombinierte Tablette aus Fluorid und Vitamin D, sollten die Zähne entweder ohne Zahnpasta oder nur mit einer geringen Menge Zahnpasta ohne Fluorid geputzt werden.

• Die zweite Möglichkeit: Die Rachitis-Prophylaxe wird mit einer täglichen Tablette Vitamin D ohne Fluorid fortgeführt und die Zähne des Kindes bis zu zweimal täglich mit einer sehr geringen Menge einer Kinderzahnpasta mit Fluorid (mit 1.000 ppm Fluorid) geputzt. Doch Achtung: wenn diese Option gewählt wird, ist genau darauf zu achten, lediglich eine „reiskorngroße“ Menge (also höchstens 0,125 Gramm Zahnpasta) zu verwenden!

„Wird eine Zahnpasta mit Fluoridzusatz verwendet, ist eine genaue Dosierung der empfohlenen Zahnpastamenge entscheidend, um eine zu hohe Fluoridaufnahme und unerwünschte Wirkungen zu vermeiden“, betont Professor Dr. Berthold Koletzko mit großem Nachdruck. „Babys und Kleinkinder können Zahnpasta nämlich noch nicht ausspucken und verschlucken deshalb einen großen Teil. Hinzu kommt die Gewohnheit vieler Eltern in Deutschland, beim Putzen der Zähne ihres Kindes reichlich Zahnpasta zu verwenden, oft mehr als das Vierfache der empfohlenen Mengen. Beim zweimal täglichen Putzen können so zu große Mengen an Fluoriden im Kindermagen landen.“

12 bis 24 Monate: „Reiskorngroße“ Menge genau dosieren! Es bleibt auch jetzt beim zweimal täglichen Putzen mit einer reiskorngroßen Menge einer Kinderzahnpasta (mit 1.000 ppm Fluorid). Sie sollte von den Eltern in einer möglichst korrekt dosierten Menge aufgetragen werden, um eine zu hohe Aufnahme zuverlässig zu vermeiden.

Wünschenswert wäre jetzt auch eine fachliche Beratung und Schulung der Familien über Mundhygiene, zahnschonende Ernährung, behutsame Zahnpflege und korrekt dosierte Anwendung fluoridhaltiger Zahnpasta. Den geeigneten Rahmen dazu bieten die Vorsorgetermine U6 und U7 beim Kinder- und Jugendarzt sowie die zahnärztlichen Früherkennungs-Untersuchungen zwischen dem 13. und 24. Lebensmonat, heißt es dazu in den neuen Handlungsempfehlungen für das Netzwerk „Gesund ins Leben“.

24 Monate bis 72 Monate: Nun eine „erbsengroße“ Menge Zahncreme In diesem Alter kommt zum morgendlichen und abendlichen Zähneputzen für die meisten Kinder ein weiterer Putztermin in der KiTa oder im Kindergarten hinzu. So bekommen neben den Eltern auch die dortigen Betreuungspersonen die wichtige Aufgabe, beim Putzen auf die korrekte Dosierung der Zahnpasta zu achten, nämlich auf eine lediglich „erbsengroße“ Menge.

Karies auf dem Rückzug, trotzdem noch viel zu tun

Dank einer guten Versorgung durch Pädiater und Zahnärzte und dem breiten Einsatz von Fluoridtabletten, später fluoridierten Zahncremes, sowie der Verwendung von fluoridiertem Kochsalz im Haushalt, geht die Karieshäufigkeit bei Kindern in Deutschland schon seit geraumer Zeit eindrucksvoll zurück, berichtet die Stiftung Kindergesundheit erfreut. So haben 12jährige Kinder heute im Mittel nur noch 0,5 kariöse, wegen Karies gefüllte oder fehlende Zähne. 1997 lag dieser Wert noch bei 1,7. Im internationalen Vergleich steht Deutschland damit sogar an einer Spitzenposition, was die Zahnqualität von Kindern und Jugendlichen angeht. Häufiger sind jedoch die Milchzähne angegriffen, die einen viel dünneren Zahnschmelz aufweisen. Eine Studie der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e. V. (DAJ) zeigte bei jedem zehnten Dreijährigen (11,4 Prozent) ein behandlungsbedürftiges Gebiss.

Soziales Gefälle in der Zahngesundheit
Ein erhöhtes Kariesrisiko besteht nach allen aktuellen Studien für Kinder aus Familien mit problematischem Ernährungs- und Mundhygieneverhalten und mit niedrigem sozioökonomischem Status, außerdem für Kinder mit Behinderungen und chronischen Krankheiten, betont die Stiftung Kindergesundheit.

So zeigen die Ergebnisse der großen Kindergesundheitsstudie KiGGS Welle 2, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien seltener die Empfehlungen zum täglichen Zähneputzen befolgen. Auch Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund erreichen seltener das empfohlene tägliche Zähneputzen und nehmen auch seltener Fluoridsupplemente ein als Kinder aus Familien ohne Migrationshintergrund.

Werbung verführt zu Überdosierung

Die Einhaltung der aktuellen Handlungsempfehlungen ist keine leichte Aufgabe, betont die Stiftung Kindergesundheit. In der Werbung für Zahncreme und sogar in Aufklärungsbroschüren werden immer wieder ganze Zahnpasta-Stränge auf Zahnbürsten abgebildet (vgl. Bild). Dies sei eine übertriebene Darstellung, die als Vorbild zu einer Überdosierung von Fluoriden führen kann. Außerdem sind die vorgeschlagenen Mengen wie „reiskorngroß“ (0,125 g) oder „erbsengroß“ (0,25 g) mit den derzeit üblichen Tuben von Zahncremes nicht genau abmessbar.

Wünschenswert wären deshalb Produkte, die eine genaue Dosierung der empfohlenen Höchstmenge an Zahnpasta ermöglichen:

• Tuben für Kinderzahnpasta mit einem sehr kleinen Loch, sodass nur ein sehr dünner Strang (Reiskorndurchmesser) aufgetragen werden kann;

• eine klare, maßstabsgerechte Darstellung eines Reiskorns und einer Erbse auf der Tube von Kinderzahncremes;

• die feste Anbringung eines Dosierspenders an der Tube, um eine präzise und richtige Dosierung zu ermöglichen.

Zahnärztinnen und Zahnärzte helfen, Kindeswohlgefährdungen frühzeitig zu erkennen

Zahnärztinnen und Zahnärzten kommt eine entscheidende Rolle beim Erkennen häuslicher Gewalt zu, denn Verletzungen im Bereich von Mund, Kiefer und Gesicht gehören zu den häufigsten Folgen häuslicher Gewalt. Auch Vernachlässigung und eine Kindeswohlgefährdung lassen sich häufig im Mundbereich, z.B. am Mundhygienezustand, ablesen. Zahnarztpraxen werden oft als erste aufgesucht, weil Schäden im Kiefer- und Zahnbereich häufig unbehandelt nicht ausheilen. Deshalb begrüßt die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) das heute verabschiedete „Gesetz zur Stärkung von Kindern und Jugendlichen (Kinder- und Jugendstärkungsgesetz – KJSG)“, das nun die Rolle der Zahnmedizin deutlich herausstellt.

Das Gesetz soll die mit dem Bundeskinderschutzgesetz (BKiSchG) von 2012 geschaffenen rechtlichen Grundlagen zur Abwehr von Kindeswohlgefährdungen weiterentwickeln. Mit dem Bundeskinderschutzgesetz wurde Ärztinnen und Ärzten als Berufsgeheimnisträgern die Möglichkeit eingeräumt, bei gewichtigen Anhaltspunkten für eine Kindeswohlgefährdung unter bestimmten Voraussetzungen das Jugendamt zu informieren und diesem die für ein Tätigwerden erforderlichen Daten mitzuteilen.

„Ab heute werden auch die Zahnärztinnen und Zahnärzte hinsichtlich der Meldebefugnisse berücksichtigt und können das Jugendamt einschalten, wenn ihnen Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines Kindes oder eines Jugendlichen vorliegen“, so BZÄK-Vizepräsident Prof. Dr. Dietmar Oesterreich. „Die BZÄK hatte dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Bedeutung der Zahnmedizin in diesem Bereich und die bereits bestehenden Strukturen dargelegt. Denn der Zahnärzteschaft kommt eine entscheidende Rolle beim Erkennen, Dokumentieren und Melden von Anhaltspunkten für eine Vernachlässigung bzw. Kindeswohlgefährdung als auch von häuslicher Gewalt zu. Und: Die Zahnärzteschaft ist auf diesem Gebiet bereits seit Jahren aktiv. Es freut uns, dass diese Argumente angenommen wurden. Damit besteht Rechtssicherheit für alle Praxen.“

Die Bundeszahnärztekammer informiert auf ihrer Website Praxen über den Umgang mit Opfern häuslicher Gewalt:
https://www.bzaek.de/recht/haeusliche-gewalt.html

Neben Hinweisen zum Umgang mit betroffenen Patienten sind auch juristische Einordnungen und verschiedene Unterlagen, die Dokumentation betreffend, (z.B. ein Dokumentationsbogen und ein Ablaufdiagramm für die Zahnarztpraxis) dort eingestellt.

15.06.2021 DGA | Quelle: Bundeszahnärztekammer

Neue Leistungen zur systematischen Parodontitis-Behandlung einvernehmlich beschlossen

Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) und der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV-Spitzenverband) haben sich einvernehmlich auf die Bewertung der neuen Leistungen bei der systematischen Behandlung von Parodontitis und anderer Parodontalerkrankungen (PAR-Richtlinie) geeinigt. Neben der Bewertung wurden auch Leistungsbeschreibungen und Abrechnungsbestimmungen festgelegt, also die Gebührennummern des Bewertungsmaßstabes zahnärztlicher Leistungen (BEMA) zur Abrechnung der entsprechenden vertragszahnärztlichen Leistungen, die künftig in vertragszahnärztlichen Praxen herangezogen werden können. Die neuen Leistungen sollen Patientinnen und Patienten in vertragszahnärztlichen Praxen damit fristgerecht ab 1. Juli 2021 zur Verfügung stehen.

Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstandes der KZBV: „Mit der aktuellen Richtlinie des G-BA zur systematischen Behandlung der Parodontitis ist der Durchbruch zu modernen wissenschaftlichen Therapieansätzen gelungen. Gleichzeitig wurde durch die Verabschiedung der entsprechenden Behandlungsrichtlinie gerade für vulnerable Bevölkerungsgruppen ein bürokratie- und barrierearmer Zugang zu einer bedarfsgerechten Versorgung dieser chronischen Erkrankung geschaffen, die besonders bei älteren Menschen gehäuft in ihrer schweren Ausprägung auftritt. Beide Richtlinien zusammen schaffen für uns Zahnärzte nach langen Jahren des Stillstands die Voraussetzungen, dieser großen Volkskrankheit endlich erfolgreich begegnen und die hohe Parodontitislast in Deutschland nachhaltig senken zu können. Zurzeit leidet jeder Zweite an einer behandlungsbedürftigen Form dieser chronischen Erkrankung. Dass beide Richtlinien, ein umfangreicher Leistungskatalog und die Leistungsbewertungen fristgerecht im Konsens erarbeitet werden konnten, zeigt erneut die hohe Leistungsfähigkeit der gemeinsamen Selbstverwaltung im Gesundheitswesen.“

Stefanie Stoff-Ahnis, Vorstand beim GKV-Spitzenverband: „Gesetzlich Versicherte, die an Parodontitis leiden, erhalten zahlreiche neue Kassenleistungen, um diese langwierige Erkrankung nachhaltig in den Griff zu bekommen. Ab dem 1. Juli folgt auf die zahnmedizinische Behandlung eine umfassende Parodontitis-Nachsorge von mindestens zwei Jahren. Nach aktuellem Forschungsstand werden so die besten Heilungsergebnisse erzielt und die Lebensqualität kann durch die Nachsorge deutlich verbessert werden. Wir hoffen, dass diese neuen Leistungen dazu beitragen, erreichte Behandlungsergebnisse stabil zu halten und langfristig sogar die Zahl der Parodontitis-Patienten und -Patientinnen zu senken.

Besonders freut mich, dass wir als gemeinsame Selbstverwaltung weitere Regelungen einvernehmlich beschlossen haben, die gerade für vulnerable Patientengruppen die Parodontitis-Versorgung deutlich vereinfachen. Zukünftig erhalten Pflegebedürftige oder Menschen mit Beeinträchtigungen eine Parodontitis-Behandlung ohne ein Antrags- und Genehmigungsverfahren durchlaufen zu müssen. Darin enthalten ist auch die Reinigung aller Zähne einmal im Kalenderhalbjahr über einen Zeitraum von zwei Jahren.“

Auch besonders vulnerable Patientengruppen erhalten künftig einen gleichberechtigten und barrierearmen Zugang zur Parodontitistherapie im Rahmen der vertragszahnärztlichen Versorgung. Einen entsprechenden Beschluss hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) in seiner heutigen Sitzung gefasst. Damit haben diese Versicherten ab Juli Anspruch auf eine modifizierte und speziell auf die Bedürfnisse dieser Versichertengruppe zugeschnittene Behandlungsstrecke zur Parodontitis-Behandlung ohne Antrags- und Genehmigungsverfahren. Diese niedrigschwellige Option richtet sich vor allem an ältere, pflegebedürftige Menschen oder Menschen mit einer Beeinträchtigung, bei denen die systematische Behandlung gemäß PAR-Richtlinie nicht in vollem Umfang durchgeführt werden kann. Dazu zählen etwa Patienten, bei denen die Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der Mundhygiene nicht oder nur eingeschränkt gegeben ist, die einer Behandlung in Allgemeinnarkose bedürfen, oder bei denen die Kooperationsfähigkeit nicht oder nur eingeschränkt gegeben ist. Der Zugang zu den neuen PAR-Leistungen ist dabei unbürokratisch niedrigschwellig im Rahmen Anzeigepflicht bei den Kassen ausgestaltet.

Hintergrund: Die neuen Leistungen für die systematische Behandlung der Parodontitis Der G-BA hatte im Dezember 2020 die Richtlinie zur systematischen Parodontitistherapie beschlossen. Vorausgegangen waren jahrelange fachliche Beratungen und intensive Verhandlungen unter maßgeblicher Beteiligung der KZBV. Auf Grundlage der Richtlinie, die den aktuellen wissenschaftlichen Stand zahnmedizinischer Erkenntnisse berücksichtigt, wird die Volkskrankheit Parodontitis künftig mit einem umfassenden, am Bedarf der Patienten ausgerichteten Maßnahmenprogramm bekämpft. Dazu gehören unter anderem eine patientenindividuelle Mundhygieneunterweisung sowie ein parodontologisches Aufklärungs- und Therapiegespräch im Rahmen der „sprechenden Zahnmedizin“. Diese Maßnahmen dienen dazu, die Mundhygienefähigkeit und Gesundheitskompetenz der Patienten zu erhöhen. Mit der unterstützenden Parodontitistherapie (UPT) können Versicherte künftig zudem zwei Jahre nach Abschluss der aktiven Behandlungsphase eine strukturierte Nachsorge in Anspruch nehmen, um den Behandlungserfolg zu sichern.

Hintergrund: Parodontale Erkrankungen Die Parodontitis ist eine chronische Entzündung des Zahnhalteapparates, die wesentlich durch bakterielle Beläge auf Zahnoberflächen und in den Zahnzwischenräumen verursacht wird. Parodontale Erkrankungen sind der Hauptgrund für den Verlust von Zähnen bei Erwachsenen. Nach aktuellen Berechnungen sind in Deutschland fast 12 Millionen Erwachsene von einer schweren parodontalen Erkrankung betroffen. Die Parodontitis steht zudem in Verbindung mit Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und anderen chronischen Leiden.



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